Was Sie vielleicht schon immer über Zinsen wissen wollten

Zinsen: Kleiner geschichtlicher Exkurs

Die Geschichte der Zinsen reicht weit zurück, und sie begann schon vor der Entstehung des Geldes. So sollen bereits Bauern in der Frühzeit einen Naturalzins für das Verleihen von Saatgut verlangt haben. Nach dem Einbringen der Ernte, so heißt es, musste der Schuldner die geliehene Menge an Korn mit einem zum Teil bis zu 50prozentigem Aufschlag zurückgeben. Dies wurde als Ernteausgleich erhoben, da der Bauer das verliehene Saatgut nicht selber anbauen konnte.

Auch der griechische Philosoph Aristoteles soll einst gesagt haben: „Das Geborene ist gleicher Art wie das Gebärende, und durch den Zins entsteht Geld aus dem Geld. Diese Art des Gelderwerbs ist also am meisten gegen die Natur.“
Mit Aufkommen des Christentums und dem Entstehen der Kirche wurde die Erhebung von Zinsen verboten, später allerdings zumindest in Teilen wieder erlaubt. So durften von in Not geratenen Bürgern keine Zinsen gefordert werden. Verlangte man dies dennoch, so drohten die Exkommunizierung und das Versagen eines christlichen Begräbnisses.
Kurz und gut: Zinsen gab es und gibt es, sie sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

Die wichtigsten verschiedenen Zinsformen

Im Bereich des Finanz- und Bankenwesen gibt es eine Vielzahl von Zinsformen mit denen gearbeitet wird.
Doch für uns, den sogenannten „Otto Normalverbraucher“ sind diese nicht zwangsläufig wichtig.
Wir haben Ihnen hier die wichtigsten Zinsformen, die uns im Alltag immer wieder bei Geldgeschäften begegnen, zusammen gestellt.

Der Guthabenzins

Bei diesem Zins sprechen wir von einem Sparzins. Hier erhält der Inhaber eines Sparbuchs, Tagesgeldkontos oder eines Festgeldkontos, am Ende einer Laufzeit X, Zinsen auf das angesparte Geld.

Nominalzins und Effektivzins

Hier sind wir bereits bei den Darlehenszinsen oder Kreditzinsen bei denen wir als Verbraucher zur Kasse gebeten werden.
Der Nominalzins gibt an, in welcher Höhe ein Darlehen verzinst wird. Hier werden allerdings zusätzliche preisbestimmende Faktoren wie Bearbeitungsgebühren, Auszahlungskurse oder Zinsverechungstermine nicht berücksichtigt.
Der Effektivzins kann als Erweiterung des Nominalzinssatzes verstanden werden. Er beinhaltet den Nominalzinssatz und zusätzlich auch die preisbestimmenden Faktoren.
Wenn Sie also verschiedene Darlehen miteinander vergleichen, was Sie auf jeden Fall tun sollten wenn Sie beabsichtigen sich Geld bei einer Bank zu leihen, sollten Sie immer auf den Effektivzins als vergleichenden Faktor schauen.

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Dispozins und Überziehungszins

Der wohl bekannteste und auch ärgerlichste Zinsatz der dem Verbraucher bei der Nutzung von Bankkonten begegnet ist der Dispozinz. Hierbei handelt es sich um den schlimmsten aller Zinsen. Man könnte hier auch von modernem Raubrittertum der Banken sprechen. Er wird als Effektiv- und Nominalzins angegeben. Hier lohnt es sich vor der Kontoeröffnung genau hinzuschauen und die verschiedenen Banken miteinander zu vergleichen. Lassen Sie sich hierbei nicht von Geldgeschenken oder kostenlosen Kreditkarten bei Kontoeröffnung blenden. Wichtig zu wissen ist auch, dass der Dispokredit, für den der Dispozins festgelegt ist, bis zu einer bestimmten Höhe gilt. In der Regel wird die Höhe des Dispokredites mit der Bank vereinbart. Einige Banken legen diesen aber auch einfach selbst fest. Oftmals üblich ist hier das Zweifache eines Monatsgehaltes. Für Kontoüberziehungen ohne vereinbarten Dispokredit, oder für Überziehungen über diesen hinaus, fällt dann der noch ungünstrige Überziehungszins an.
Wer einmal einen Dispokredit in Anspruch genommen hat, weiß wie teuer und schwierig es ist ihn zurück zu zahlen. In vielen Fällen endet das mit der Aufnahme eines Konsumentenkredites, der bei der Schufa gespeichert wird, um das Girokonto wieder auszugleichen.

Der Zinzeszins

Diese Zinsart treffen wir hauptsächlich nur bei Geldanlagen auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten an.
Die Zinsen werden für gewöhnlich am Jahresende, monatlich oder einmal im Quartal berechnet und gutgeschrieben. Die angelegte Summe erhöht sich um die Zinsgutschrift und der neue, dann höhere Guthabenbetrag wird zukünftig verzinst.

Der Leitzins

Wir sind zwar alle nicht direkt vom Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) betroffen, aber er gibt an zu welchen Konditionen (Zinsen) sich Banken, meist in Milliardenhöhe, bei der EZB Geld leihen können. Zurzeit ist der Leitzins immer noch sehr niedrig, was es den Banken möglich macht, sehr viel Geld sehr günstig zu leihen. Für uns, den Otto Normalverbraucher bedeutet das, dass Immobiliendarlehen und Konsumentenkredite so günstig wie nie sind.